Im Januar und Februar ist Paarungszeit der Füchse / Im Jagdjahr 10/11 kamen in Bayern 112 145 Füchse zur Strecke, bundesweit rund eine halbe Million€“ Anzeichen für eine Ausbreitung der Räude
Foto: Piclease/Andre Müller “ Zur kostenfreien Verwendung zusammen mit der Presseinformation
Einem Fuchs am helllichten Tag zu begegnen, das ist selbst in dicht besiedelten Gebieten keine Seltenheit mehr. Jetzt kann dies aber besonders häufig passieren, denn das dämmerungs- und nachtaktive Tier ist auf Brautschau. Die Zeit der Partnerwahl bei den Füchsen, die sogenannte Ranz, hat begonnen und macht den liebestollen Räuber unvorsichtig.
Die Ranz kündigt sich im Allgemeinen durch heiseres Bellen Ende Dezember an, erreicht im Januar den Höhepunkt und endet im Februar. Auf der Suche nach einem Paarungspartner streifen vor allem die Rüden weit umher. Die Füchsin (Fähe) ist nur während einiger weniger Tage paarungsbereit und genau diesen Zeitpunkt muss der Fuchsrüde abpassen. Aus diesem Grund weicht er nicht mehr von ihrer Seite, duldet keine Nebenbuhler und prüft durch Beschnuppern und vorsichtige Annäherungsversuche ständig, ob der richtige Zeitpunkt zur Begattung naht.
Bei den Füchsen geht es dann richtig zur Sache. Sie verpaaren sich in der Regel nach einem längeren, mal hitzigen, mal zärtlichen Vorspiel. Gelegentlich kommt es vor, dass die Fähen von mehreren Rüden bedrängt und auch begattet werden. Wie bei den Hunden können daher die Welpen eines Wurfes von mehreren Rüden stammen.
Nach einer Tragzeit von 52 bis 54 Tagen - man sagt, die Fähe “€žgeht dick” - bringt sie in der Zeit von März bis Mai in der Regel drei bis sechs Welpen in einem unterirdischen Bau zur Welt. Beide Elterntiere sind mit der Aufzucht der Jungen beschäftigt. Oftmals wirkt auch der Rüde bei der Aufzucht mit.
Die flächendeckende erfolgreiche Bekämpfung der Tollwut in den 80er Jahren hat dazu geführt, so Prof. Dr. Jürgen Vocke, Präsident des Bayerischen Jagdverbandes (BJV), dass der Fuchs in unserer Heimat zahlreich vorkommt. Im Jagdjahr 2010/2011 wurden in Bayern 112 145 Füchse zur Strecke gebracht, deutschlandweit über eine halbe Million.
Kaum ein Wildtier kommt besser mit dem Menschen als Nachbarn zu Recht als der Fuchs. Deshalb hat der Kulturfolger Fuchs sogar die Großstadt als Lebensraum entdeckt, die ihm als findigem Allesfresser ein breites Nahrungsspektrum bietet. Tatsächlich gibt es heute für dieses intelligente und anpassungsfähige Raubtier in vielen Städten bessere Deckungs- und Nahrungsverhältnisse als in der umgebenden, oft durch die Landwirtschaft stark veränderten Kulturlandschaft. Füchse verlieren relativ schnell die Scheu vor Menschen. Es sind aber Wildtiere und sollten dies auch bleiben. Präsident Vocke: “€žAuf keinen Fall sollte versucht werden, die Tiere anzulocken und durch Fütterung zu zähmen, denn dadurch erhöht sich das Risiko einer Infektion mit Krankheitserregern bei Mensch und Haustier - eine Folge der Überpopulation.”
Hintergrundinformationen: Man geht davon aus, dass heute etwa vier- bis fünfmal so viel Füchse im Bundesgebiet leben wie zu Zeiten, als die Tollwutzeiten grassierte. Deutschland ist seit September 2008 nach den internationalen Kriterien der Weltorganisation für Tiergesundheit (OIE) tollwutfrei. Demzufolge wurde die bisher bestehende Tollwut-Verordnung des Bundesministeriums für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz mit Wirkung vom 4.Oktober 2010 dahin geändert, dass nicht mehr jährlich eine festgelegte Stichprobe (vier Füchse pro 100 Quadratkilometer) von krank oder gesund erlegten oder verendeten Füchsen (sog. Tollwut-Monitoring) zu untersuchen ist. Nach dem neuen Verordnungstext werden nach wie vor kranke, verhaltensgestörte oder anderweitig auffällige Füchse auf Tollwut untersucht. Die Jäger können die oben genannten Tiere entweder direkt an das Bayerische Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit (LGL) in Oberschleißheim oder dem Veterinäramt (Landratsamt) zuleiten. Für die statistische Auswertung ist es zwingend erforderlich, für jedes Einzeltier die Angaben zum Erlegungsort (Revier) und Erlegungsdatum sowie die Anschrift des Jägers mitzuteilen.
Eine neue Krankheit macht derzeit den Füchsen zu schaffen - im Münchner Umland tritt immer häufiger die Fuchsräude auf. Die von Milben hervorgerufene Krankheit verläuft meist tödlich. Befallene Füchse gehen in der Regel nach drei bis vier Wochen ein, die meisten verhungern oder erfrieren.
In Starnberg meldeten die Jäger in den vergangenen Monaten bereits 16 erkrankte Tiere. Im Isartal zwischen Grünwald und Schäftlarn sollen bereits 40 Prozent der Füchse befallen sein. Das in diesem Jahr von der Technischen Universität München und örtlichen Jägern angelegte Meldekataster zur Überwachung der Ausbreitung verzeichnet 300 Fälle. Die Arbeitsgruppe Wildbiologie der Technischen Universität München führt in Kooperation mit dem BJV eine Befragung der Jägerschaft Bayerns durch. Durch die Ranz könnte sich die Zahl der infizierten Tiere in den nächsten Monaten noch einmal erhöhen, da die Übertragung der Krankheit über direkten Kontakt erfolgt.
|