Berchtesgadener Jägerschaft begeht Hubertusfeier in Berchtesgaden

„Unsere Wildtiere sind Teil der Schöpfung!“

Die Legende vom heiligen Hubertus besagt, dass Hubertus von Lüttich Gott keinen Platz mehr in seinem Leben einräumte und an einem christlichen Feiertag unbotmäßigerweise zum Jagen ging. Es begegnete ihm ein Hirsch, dem er nachstellte. Als er diesen stellte, wandte der Hirsch ihm sein Haupt zu und hatte ein Kreuz zwischen den Geweihstangen. Gleichzeitig ertönte die Stimme Gottes, die fragte „Hubertus! Warum verfolgst Du mich?“. So wurde Hubertus bekehrt und ihm wird seit jeher am 3. November als Schutzpatron der Jäger gedacht.
Kaplan Rauffer ging in seiner Predigt auf diese Legende ein. Für die Jäger ist sie Grundlage ihres Leitsatzes „den Schöpfer im Geschöpfe zu ehren“.
Auf diesen Grundsatz ging auch Hans Berger, Vorsitzender der Kreisgruppe BGL des Bayerischen Jagdverbands in seiner Ansprache vor der Messe ein. Etwa zweihundert Jäger hatten sich auf dem festlich geschmückten Vorplatz der Stiftskirche in Berchtesgaden eingefunden.
Er erinnerte an die jagdgeschichtliche Bedeutung der Region als Revier der bayerischen Könige. Damals seien die Wildbestände noch gehegt und gepflegt worden. In der heutigen Zeit sei die Jagd überwiegend in den Händen der Bayerischen Staatsforsten und des Nationalparks mit der Folge, dass dort nun unter völlig anderen Gesichtspunkten gejagt werde.
Die Hubertusmesse sei Anlass für die Stunden in der Natur zu danken.
Es seien aber nicht nur schöne Stunden, die die Jagd ausmachen – Jagd bedeute auch die Bereitstellung eines hochwertigen Lebensmittels und sie ist Garant für ein Gleichgewicht der Natur und für einen gesunden Wald. „Jagd ist eine  Dienstleistung an der Gesellschaft“, so Hans Berger.
Der Respekt vor der Kreatur und jagdliches Brauchtum blieben heute leider oft auf der Strecke. Der Vorsitzende macht hierfür Argumente wie Wirtschaftlichkeit, Objektschutz und Klimawandel verantwortlich, die eine Bejagung der Wildtiere über das gesamte Jahr rechtfertigen sollen.
„Wald mit Wild ist unser Leitsatz!“ unterstrich er, weswegen die Jägerschaft an ihren Traditionen festhalten werde.
Gerade aber das „Wild“, also jene Tierarten, die dem Jagdrecht unterliegen, geniesse nur wenig Schutz. Zum Schutz mancher anderer Tierarten werden ganze Bauprojekte abgeblasen oder Ruhezonen und Ersatzlebensräume eingerichtet. Im Falle des Schalenwildes ist es anders herum – hier sei dann Abschuss und Reduktion der Tierzahlen die Lösung. Er bat die Verantwortlichen, alle Tiere gleich zu behandeln und gleich zu werten.
Auch bezüglich der Ansiedlung der großen Beutegreifer wie Wolf und Luchs fand seine Rede klare Worte. „Es ist verwunderlich, dass gerade die Personen, die wenig über die Zusammenhänge in der Natur wissen,  solche Forderungen stellen.“ Unsere Landschaft sei dicht besiedelt und große Prädatoren haben hier keine Platz mehr. Die Jägerschaft stelle sich klar auf die Seite der Landwirte, Almbauern und Schäfer, so Berger.
Zum Abschluss wünschte er sich, dass alle, welche mit der Jagd zu tun haben, menschlich und respektvoll miteinander umgehen mögen.
Nach seiner Ansprache wurde die vor der Stiftskirche gelegte Strecke verblasen und noch einmal  auf die Bedeutung und die Schutzwürdigkeit der einzelnen Wildtierarten eingegangen.
Nach dem „Jagd vorbei“ und „Halali“ begaben sich die Jäger und Gäste in die festlich geschmückte Stiftskirche, in der Kaplan Rauffer eine würdige Hubertusmesse zelebrierte. Umrandet von den hervorragenden Rupertiwinkler Jagdhornbläsern gelang ihm eine interessante und nachdenklich stimmende Predigt, in der er natürlich auch noch einmal auf den heiligen Hubertus einging und ermahnte, dem Herrn im Leben den gebührenden Platz einzuräumen und als Jäger stets den Schöpfer im Geschöpf zu ehren.
Anschliessend begab sich die Festgemeinde zum Gasthof „Zum Neuhaus“, um die Feier gemütlich ausklingen zu lassen.
Nach einem hervorragenden Wildessen begrüßte der Vorsitzende noch einmal die Jäger und Ehrengäste, unter ihnen der stellvertretende Landrat Helmut Fürle, Angelika Niedl und Wolfgang Kastner vom Landratsamt, der Ehrenvorsitzende der Kreisgruppe Hans Niederberger, der ehemalige Vorsitzende der Kreisgruppe Karl Willer, Dr. Daniel Müller, Leiter der  Bayrischen Staatsforsten Berchtesgaden und die Berufsjäger. Er dankte besonders Max Neudecker für die hervorragende Organisation der Feier und das festliche Schmücken der Strecke.
Auch der stellvertretende Landrat Helmut Fürle richtete das Wort an die Jäger und betonte auch noch einmal die Bedeutung der Jagd und der Waidgerechtigkeit im Besonderen.
Musikalisch umrahmt von der „Salzwieser Tanzlmusi“ galt es noch wichtige Ehrungen vorzunehmen, an den alt-verdienten und den ganz jungen Jägern.
Zu den Verdientesten der Kreisjägerschaft gehört Hubert Niederberger, ehemaliger Vorsitzender und seit 57 Jahren Mitglied im Bayrischen Jagdverband. Er wurde zu seinem 90. Geburtstag durch den Vorsitzenden besonders geehrt und beschenkt. Angesichts der Rüstigkeit und Feierlaune des Jubilars mochte man das Lebensalter beinahe anzweifeln.
Eine weitere Ehrung durften die Jungjäger erfahren. Sie gehören zu den Absolventen der Rupertiwinkler Jagdschule und haben in diesem Jahr ihre Jägerprüfung bestanden. Acht von ihnen nahmen an diesem Abend sichtlich stolz ihren kunstvoll gestalteten Jägerbrief entgegen.
Bei guter Musik und interessanten Gesprächen fand die gelungene Hubertusfeier in den frühen Morgenstunden ihren Ausklang.

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„BJV Vorsitzender Hans Berger hielt vor der Stiftskirche Berchtesgaden eine Ansprache zu aktuellen Jagdthemen“

Hubertus2 2018

„Zusätzlich zum Jagdschein bekamen die Absolventen der Jägerprüfung kunstvoll gestaltete Jägerbriefe“