Klares Ja zur Hegeschau

Die Kreisgruppe Berchtesgadener Land des Landesjagdverbandes Bayern (BJV) führte am 17.03.2018 ihre alljährliche Hegeschau durch

von Monika Konnert

Teisendorf: Einmal im Jahr müssen Jäger die Trophäen ihres erlegten Wildes der Öffentlichkeit präsentieren. So geschehen am Samstag im Poststall Teisendorf, wo die Kreisgruppe Berchtesgadener Land des Landesjagdverbandes Bayern (BJV) ihre Hegeschau durchführte. Schon am Vormittag konnte sich die Öffentlichkeit bei einem Frühschoppen einen Überblick über die Jagdtätigkeit im Landkreis verschaffen und die über 2.000 ausgestellten Exponate bewundern. Darunter war erstmals auch das Fell eines Marderhundes, der bei Weildorf in die Falle ging. Der Marderhund kommt ursprünglich aus dem östlichen Sibirien und breitet sich erst seit den 1960ern in Deutschland aus. Einig war sich die Versammlung, dass die Pflichthegeschau in Bayern beibehalten werden muß. Daher wurde die in diesem Sinne kürzlich getroffene Entscheidung des Bayerischen Landtags einstimmig begrüßt.

Pünktlich um 13:00 Uhr eröffnete Hans Berger, Vorstand der Kreisgruppe Berchtesgadner Land den amtlichen Teil der Hegeschau im vollbesetzten Saal des Poststalls. Neben den mehr als 200 Jägerinnen und Jägern, waren zahlreiche Ehrengäste gekommen, darunter die Landtagsabgeordnete Michaela Kaniber, Landrat Georg Grabner und der erste Bürgermeister von Teisendorf Thomas Gasser. In ihren Grußworten betonten alle die gute Zusammenarbeit mit den Jägern und das konstruktive Verhältnis zwischen Jägern, Landwirten und Waldbesitzern in der Gemeinde und im Landkreis. Das sei nicht berall so, so der Landrat, umso mehr freue es ihn, denn davon könnten alle nur profitieren. „Bayern steht zur Jagd und zu seinen Jägern“ betonte die Landtagsabgeordnete Michaela Kaniber, daher auch das klare Bekenntnis der CSU im Landtag zur Beibehaltung der Hegeschauen. Sie freue sich auch über den zahlreichen Jägernachwuchs; er sei Garantie, dass jagdlichen Aufgaben auch in der Zukunft erfüllt werden können. Der Bitte nach enger Zusammenarbeit zum Wohle von Wald und Wild schloß sich Daniel Müller, Leiter des Forstbetriebs Berchtesgaden der Bayerischen Staatsforsten an. Wichtig sei den Staatsforsten die tierschutzgerechte Jagd sowohl zur Steigerung der gesellschaftlichen Akzeptanz als auch für die Direktvermarktung des wertvollen Lebensmittels Wild.

Hochwildjagdberater Andreas Soyter konzentrierte sich in seinem Vortag auf die Themen „Geschlechterverhältnis“ und „Überwinterung“. Beim Umbau des Geschlechterverhältnisses seien zwar leichte Erfolge erzielt worden, die Situation im Landkreis sei aber noch nicht zufriedenstellend.  Er mahnte eine ambitioniertere Vorgehensweise an, um mittelfristig messbare Erfolge zu erzielen. Auch kritisierte er die überdimensionierten Kirrungen (Lockfütterungen), die in manchen  Gebirsgbereichen  Rotwild vom Zug in die Wintergatter abgehalten hätten. Es würde daher dringend ein Kirr- und Fütterungskonzept benötigt. Hier läge der Ball bei der Jägerschaft und der Hochwildhegegemeinschaft.

Der strenge Winter habe dem Hochwild stark zugesetzt, erläuterte Hochwildhegeringleiter Hans Niederberger. Das Wild sei deshalb in tiefere Lagen gewandert. Als Folge sei dort der Verbiß trotz Erfüllung des  Abschusses angestiegen. Beim Rotwild liege die Abschußerfüllung in der Hegegemeinschaft bei  82,5 %, beim Gamswild bei 86%. Davon seien 40 % Gamsböcke. Die Gamsstrecke habe sich in den letzten Jahren stetig erhöht auf jetzt 416. Diese Entwicklung sei kritisch zu hinterfragen, so Niederberger. „Geht’s mit der Gams behutsam um“ mahnte er.

Zufrieden mit der Abschlusserfüllung in  den fünf Niederwild-Hegegemeinschaften zeigte sich Niederwildjagdberater Erich Tropp. Gegenüber dem Vorjahr seien 120 Rehe mehr geschossen worden, bei Rehwild  liege die Quote bei 112 %. Dem Rehwild gehe es sehr gut. Sowohl die Trophäenqualität als auch das Wildbretgewicht seien deutlich gestiegen. Schwarzwild spiele im Landkreis keine Rolle. Es seien  nur ein  Keiler und zwei  Bachen erlegt worden. Tropp gab auch für weitere Arten die Abschußzahlen bekannt, und erwähnte, dass auch Arten wie Waschbär, Fischotter und Marderhund im Kommen seien.

Warum Jagd eigentlich Waldbau sei, führte Leitender Forstdirektor Alfons Leitenbacher,  Leiter des Amtes für Landwirtschaft und Ernährung  in seinem Referat aus. „Jagd kann einen naturnahen Waldbau massiv behindern oder erschweren oder massiv unterstützen“ meinte er. Denn zwischen Schalenwild und Wald bestehe eine enge Wechselwirkung. Das Jagdmanagement habe  einen großen Einfluß auf die Zusammensetzung und Struktur  der Wälder und damit auf ihre Gesundheit, Stabilität und Leistungsfähigkeit. Ein naturnaher  Wald mit hohem Artenreichtum sei  produktiv und zukunftsfähig und tue auch dem Reh gut. Daher müsse das Ziel ein waldverträglicher Wildbestand auf ganzer Fläche sein. Wie im Jagdgesetz festgelegt solle die  Bejagung die natürliche Verjüngung standortgerechter Baumarten im Wesentlichen ohne Schutzmaßnahmen ermöglichen.

Dem schloss sich 1. Vorstand Hans Berger abschließend an. Als Vertreter der Jägerschaft setze er sich dafür ein, dass im Landkreis ein stabiler Wald wächst, der den Anforderungen der Zukunft gerade im Klimawandel gerecht werde. Er appelliere an alle, die mit der Jagd zu tun haben.im Gespräch zu bleiben um gemeinsam  dieses Ziel zu erreichen. Als Forum für Information und Meinungsaustausch zwischen Verband, Politik, Wissenschaft und  Behördenvertretern würden die Hegeschauen dabei eine wichtige Rolle spielen und sollten in Richtung Informationsveranstaltung weiterentwickelt werden.

Musikalisch umrahmt wurde die Versammlung in bewährter Weise von dem Jagdhornbläsercorps der Kreisgruppe Berchtesgadener Land.

Bilder von der Hegeschau finden Sie in unserer Bildergallerie