Wald mit Wild

Abschussquoten und Bestand zentrale Themen bei der Hegeschau

Einen Überblick über die Jagd im Berchtesgadener Land verschaffen konnte sich die Öffentlichkeit bei der jährlichen Jagd- und Hegeschau der Kreisgruppe des Bayerischen Jagdverbandes im Wenger Hof. Dort waren an die 1700 Wildtrophäen aus den fünf Hegegemeinschaften im Landkreis ausgestellt. Nachmittags tauschten sich Verband, Behörden und Politik fachlich vor dem vollen Saal aus. Außerdem ehrte der BJV mehrere Jagdvorsteher und Jäger.
Nach der Begrüßung durch den 1. Vorsitzenden der Kreisgruppe, Hans Niederberger bezeichnete die Landtagsabgeordnete Michaela Kaniber in ihrem Grußwort die Jagd als gesellschaftspolitisch, ökologisch und landeskulturell von großer Bedeutung. Die Jäger würden seit Jahrzehnten wertvolle Beiträge zum Erhalt der biologischen Vielfalt leisten. Ihr ehrenamtliches Engagement im Dienste von Natur und Umwelt ist unverzichtbar.
Thomas Schreder, der Bezirksvorsitzende des Bayerischen Jagdverbandes, kam auf das Vegetationsgutachten zu sprechen, das leiser landläufig als „Verbissgutachten“ bezeichnet werde. Er kritisierte dass es oft als Totschlagargument für Abschusspläne verwendet werde und es nicht genügend aussagekräftig sei. „Unseren bayerischen Wäldern geht es gut. Aber solange Schalenwild draußen ist, wird es Pflanzen fressen. Null Prozent Verbiss werden wir nie bekommen“. Außerdem appellierte er, dass der BJV sich dafür einsetzen müsse, dass Wildtiere nicht als Schädlinge betrachtet würden. Die Akzeptanz für das Wild müsse hochgehalten werden. Hans Niederberger fügte hinzu, dass Jagd ein wichtiges Kulturgut sei, sie liefere gesunde Nahrungsmittel, Jäger seien die Anwälte für das Wild und er sprach die Pflege von jagdlichen Brauchtum und Traditionen an.
Der Berchtesgadener Forstbetriebsleiter Dr. Daniel Müller schilderte, dass bei 265 Stück geschossenem Rotwild der Abschussplan mit 77,7 Prozent erfüllt worden sei. Er sprach sich, wie andere Redner an diesem Nachmittag auch für eine bessre Geschlechterverteilung des Rotwildes aus. Das Gamswild bezeichnete er als eine wertvolle, heimische Wildart. Die Geschlechterverteilung beim Gamswild stelle sich noch ungünstiger dar als beim Rotwild. Eine Verbesserung in diesem Bereich, ebenso wie bei der Altersstruktur sei anzustreben. Auch er betonte, wie wichtig es sei, sich zu distanzieren vom Begriff „Schädling“ beim Wild. „Es handelt sich um Kreaturen, denen wir moralisch verpflichtet sind. Und wir stellen mit der Jagd ein hochwertiges Lebensmittel“.
Han-Heinrich Lechler vom Amt für Landwirtschaft und Forsten in Traunstein stellte auf Wunsch der Kreisgruppe das Forstliche Gutachten 2015 vor. Er erklärte, dass es vom Amt für Landwirtschaft und Forsten für die Untere Jagdbehörde erstellt werde, um einen Eindruck über den Vegetationszustand des Waldes als Grundlage für den Abschussplan zu verschaffen. Es fuße einerseits auf statistischer Auswertung und andererseits auf Aussagen der Revierleiter vor Ort.
Einen sehr gründlichen Bericht mit mehreren Appellen an die Jäger trug der Hochwildjagdberater Andreas Soyter vor. Er sagte, dass die Dachsschäden im inneren Landkreis „ausufern“ würden. „Da müssen wir als Jäger unsere Hausaufgaben machen.“ Er ging auf die Voraussetzungen für Schusszeitverlängerungen und die Problematik für  das Wild ein. „Es geht nicht um hohe Abschusszahlen, es geht um die Verjüngung des Waldes“, betonte Soyter. Deshalb halte er auch Nachtjagd bei Rotwild nicht für sinnvoll.
Weiter sprach Soyter das Rotwildmanagement an, das die bereits angesprochene Verbesserung des Geschlechterverhältnisses zum Ziel hat. Vergangenes Jahr hätten zehn Sitzungen zwischen Jägern, Staatsforsten und der Unteren Jagdbehörde stattgefunden. Auch sprach Soyter den Schwund von 17 Hirschen an und appellierte an die Hegegemeinschaften, sich „im guten anständigen Miteinander gegenseitig ein wenig auf die Finger zu schauen“.
Niederwildjagdberater Erich Tropp berichtete, dass die Abschusserfüllung in seinem Bereich zwischen 80 bis 109 Prozent schwanke. Das Rehwild befinde sich allgemein in einem guten Zustand. Schwarzwild unterliege keinen Abschussplänen. Vergangenes Jahr seien sieben Keiler im mittleren Landkreis geschossen worden. Tropp betonte: „Wir haben noch keine Probleme mit Schwarzwild“. Außerdem berichtete er, dass 113 Feldhasen und am Abtsee 43 Kormorane geschossen worden seien.

Ehrungen:
Weil sie sich über viele Jahre für Wald und Wild eingesetzt haben, durften folgende Jagdvorstände die Auszeichnung Naturerbe Bayern aus den Händen des Kreisvorsitzenden Hans Niederberger entgegennehmen: Sebastian Leitner, Josef Springl, Heinrich Stanggassinger, Leonhard Angerer und Johann Hager.
Hegeschau049

Das Bronzene Ehrenabzeichen des BJV-Kreisverbandes verlieh der Bezirksvorsitzende Thomas Schreder an Georg Rausch und das Silberne Ehrenabzeichen an Gustl Renoth-Hirt und Kreisvorsitzenden Hans Niederberger
Hegeschau050

Weitere Bilder finden Sie in der Gallerie unter Veranstaltungen